• Strecke: knapp 13 km, von Bivio im Surses (1769) über den Septimerpass (2310) nach Casaccia (1458) im Bergell
  • Charakter: Passwanderung mit angenehm leichten Aufstieg, auf Pfaden, die schon von den Römern genutzt wurden.
  • Zeit: 4 1/2 Stunden
  • Höhendifferenz: 560 ↑, 870 ↓, der Aufstieg ist sanft und einfach zu gehen, der Abstieg momentan durch dei Umleitung etwas anstrengend.
  • Busstationen: Bivio Posta, Casaccia Villaggio
  • Verpflegung: Restaurants und Läden in Bivio, Hotel Stampa in Casaccia

Die Wanderung über den Septimer macht deutlich, warum genau dieser Pass bis ins 15. Jahrhundert der wichtigste Alpenübergang war: Der Zugang von Bivio führt über sanfte Alpweiden; der Abstieg ins Bergell ist etwas steiler, aber auch hier finden sich keine unüberwindbaren Schluchten oder gefährliche Passagen. Entsprechend sind die Wege gut zu bewältigen, sie bilden die einfachste Passquerung im Bergell. Unterwegs gibt es keine Einkehrmöglichkeit, aber dafür viele historische Spuren. Die Passage von Bivio nach Casaccia ist dabei das Teilstück einer Weitwanderung, die als Via Sett in sechs Etappen von Chur bis nach Chiavenna führt.

Diese Wanderung wird hier unter den Tageswanderungen geführt, obwohl die Wanderzeit selbst relativ kurz ist. Allerdings sollte man die Hinfahrt (bzw. die Rückfahrt) ebenfalls einplanen. So muss man insgesamt mit einem ganzen Tag rechnen.

Hat man sein Quartier im Bergell aufgeschlagen, nimmt man frühmorgens das zweite das Postauto hinauf ins Engadin und steigt an der Haltestelle St. Moritz Campingplatz auf die Julierlinie um. Das bringt uns um 9 Uhr nach Bivio, eine optimale Startzeit. Angekommen, geht man ein Stück im Dorf die Strecke zurück, am südlichen Ortsausgang ist der Wanderweg Richtung Septimer ausgeschildert.

Ein Wirtschaftsweg führt ins Val Tgavretga, vorbei an zahlreichen Bauernhöfen. Aus dem Bergell kommend, überrascht die Sanftheit der Landschaft, stetig geht es bergauf, aber nie steil. Am Punkt 2018 lässt man den Wanderweg Richtung Piz Roccabella links liegen und folgt weiter dem Wirtschaftsweg. Der Bachlauf hat tiefe Furchen ins Gelände geschnitten, man läuft aber immer an seiner Seite.

Schluchten neben dem Wanderweg
Schluchten neben dem Wanderweg

Kurz vor dem Pass zieht es noch etwas steiler bergan, bald öffnet sich der Blick ins Bergell. Auf dem Pass selbst liegt die Kreuzung mehrerer Wanderwege: Nach Osten geht es via zum Lunghinpass (2644) und Lunghinsee (2485) Richtung Engadin, nach Westen via Forcellina (2671) nach Juf (2125) im Averstal.

Archäologisch ist der Septimerpass eine Fundgrube: Hier wurde ein römisches Feldlager aus der Zeit von Augustus entdeckt. Zudem weist eine Tafel auf den Heiligen Columban (550-615) und seinen Fluchtweg nach Italien, der inzwischen als Kolumbansweg ausgeschildert ist. Die verschiedenen Hospize, die einst hier standen, sind alle nicht mehr erhalten. So wirkt der Pass selbst heute eher unscheinbar.

Jetzt geht es an den Abstieg von knapp 900 Höhenmetern bis nach Casaccia. Der Einstieg ist noch recht idyllisch, immer besser öffnet sich auch der Blick ins Bergell und seine 3000er, die im Frühsommer noch schneebedeckt sind. Bald geht es über das Wahrzeichen der Wanderung, die alte Steinbrücke.

Alte Steinbrücke über die Aua da Sett
Alte Steinbrücke über die Aua da Sett

Kurz danach beginnen die engen, aber sehr gut ausgebauten Serpentinen, die stetig am Bach entlang bis ins Val Maroz hinunterführen, eines der schönsten unberührten Täler des Bergells. Man durchquert es beispielsweise auf der recht anspruchsvollen Wanderung von Casaccia über das Val da Cam nach Soglio. Heute schlagen wir jedoch den Weg ins Tal ein, der zunächst auf einem breiten Wirtschaftsweg geführt ist.

Bald allerdings muss man eine unattraktive Umleitung hinabsteigen – der Normalweg ist momentan aufgrund eines Felssturzes gesperrt. Das sind ca. 300 Höhenmeter auf eher engen Bergpfaden, die für Fussgänger*innen noch machbar sind, Velofahrer*innen hingegen müssen absteigen und teilweise das Bike auch tragen. Bald aber ist es geschafft und zwischen den Tannen heben sich die Wiesen von Casaccia ab. Leider gibt es in Casaccia kein Restaurant mehr, so muss man schnell aufs Postauto und den verdienten Kaffee oder Apéro anderswo trinken.

Breite Wirtschaftswege bei Bivio
Breite Wirtschaftswege bei Bivio
Eva da Sett: ein lebendiger Bach
Eva da Sett: ein lebendiger Bach
Schneereste auf dem Septimerpass im Juni
Schneereste auf dem Septimerpass im Juni
Abstieg ins Bergell vom Septimerpass
Abstieg ins Bergell vom Septimerpass
Blick ins hintere Val Maroz
Blick ins hintere Val Maroz
Aussicht auf die Wiesen von Casaccia
Aussicht auf die Wiesen von Casaccia