• Strecke: Plaun da Lej – Grevasalvas – Plaun Grand – Lunghinsee – Pila – Maloja
  • Charakter: Hochalpine Wanderung auf sehr soliden Pfaden, Hochmoore und Seenlandschaft
  • Zeit: 5.00h, Schwierigkeit: meist T2, gelegentlich T3, bis zum Pass und zurück + 60 min.
  • Höhendifferenz: ↑685, ↓681, mit einem eher gemächlichen Anstieg, einem steileren Abstieg, bis zum Pass + 161m
  • Busstationen: Plaun da Lej, Maloja Posta, Maloja Capolago
  • Verpflegung: Plaun da Lej Resort (Restaurant und Fischverkauf), Restaurants und Läden in Maloja

Die hochalpine Wanderung zum Lunghin-See ist besonders im Herbst und Frühsommer (vorsicht, Schnee!) gut zu gehen, denn sie liegt auf der Sonnenseite des Bergells und fast vollständig über der Baumgrenze. Trotzdem prägen saftige Wiesen und Hochmoore den Charakter der Tour, die Alpwirtschaft ist präsent und häufig wird man Kuhherden begegnen. Denn am Lunghin gibt es viel Wasser – und hier entspringt der Inn (oder «En»). Der Pass, der ein kleines Stück über dem See liegt, bildet sogar eine europäische Hauptwasserscheide – hier können sich Tropfen zwischen Nord, Süd und Ost entscheiden. Und: Die Ausblicke über die Seenplatte des Engadin oder hinunter ins Bergell sind phänomenal.

Damit der Aufstieg nicht zusehr schlaucht und wir eine kleine Rundtour geniessen gönnen, beginnen wir die Wanderung in Plaun da Lej, das offiziell im Oberengadin liegt. Wer mag, kann im berühmten Restaurant Murtaröl – hier wird der beste Fisch der ganzen Region zubereitet, die Gäste reisen sogar aus St. Moritz an – noch einen schnellen Kaffee trinken. Dann geht es recht gemütlich den Wirtschaftsweg nach Grevasalvas hinauf, einem früheren Maiensäss, der heute sehr gepflegt ist. Hier biegt man ins Dorf ab und kann am Brunnen Wasser nachfüllen. Im Prinzip folgt man ab hier ein Stück dem Engadiner Höhenweg (ebenfalls eine grossartige Wanderung), allerdings in Richtung Nordosten (also St. Moritz), bevor man am Punkt Muotta (2011) geradeaus den Berg hinauf geht und dabei den Wegweisern zum Lunghin-See folgt.

Der Anstieg auf dem kleinen Wanderpfad zieht an und führt teilweise durch Alpenrosenfelder. Der Ausblick wird immer besser und öffnet sich auf den Silser See, Corvatsch und die südlichen Täler. Schnell noch ein letzter Blick, dann geht es in das sehr hübsche kleine Hochtal Plaun Grand. Hier rinnen viele Quellen aus allen Richtungen, meist steht der Weg etwas unter Wasser, so dass man von Stein zu Stein hüpfen muss. Jetzt hat man schon 500 Höhenmeter bewältigt und ist am idealen Ort für eine kleine Pause (man könnte von hier auch noch eine Abstecher zum Lej Nair machen, das sind allerdings 140 steile Höhenmeter).

Nochmals geht es im Hochtal gut geschützt bergan (gelegentlich pfeifen die Murmeltiere), bis man, fast oben an der Muotta Radonda angekommen, nun über den Sattel in die offene südliche Flanke wechselt. Diese entpuppt sich als eine etwas unangenehme Passage, denn der Weg ist teils in schlechtem Zustand, es braucht zumindest Trittsicherheit (T3). Sie ist aber kurz und schnell überwunden und als Belohnung winkt der dunkel-türkisfarbene Lunghinsee. Hier finden sich bis in den Sommer hinein Schneefelder, die aber selten die Wege versperren.

Lunghinsee Holzbrücke
Sehr klar, türkis und von Schneefeldern umgeben: der Lunghin-See
Sehr klar, türkis und von Schneefeldern umgeben: der Lunghin-See

Wer jetzt noch Energie hat, kann noch die letzten 161 Höhenmeter in Angriff nehmen und bis auf den Lunghinpass laufen. Der Weg ist nicht steil, führt aber über Schotter, denn die Vegetation wird immer spärlicher über 2500m. Eindrücklich ist die Aussicht hier oben, die sich gegen Westen hinunter auf den Septimerpass eröffnet (das wäre eine weitere Variante: nun über den Pass zum Septimer und dann durch das Val Maroz nach Casaccia laufen – wäre aber ein Abstieg von fast 1200 Höhenmetern und noch ein weiter Weg, ca. 3h). Sonst geht es schlicht auf dem gleichen Weg zum Lunghinsee zurück.

Vom See geht es auf dem direkten Weg hinunter nach Maloja: Die Strecke folgt dem ganz jungen Inn, der sich hier als wilder Bergbach 700m in die Tiefe stürzt. Zunächst auf steinigem Boden, dann als Feldweg gut in die Wiesen hineingebaut, geht es stetig bergab. Die Serpentinen sind schier endlos und man ist froh, dass man diesen Weg nicht zum Aufstieg gewählt hat ...

Bei Plan di Zoch vereint sich der Lunghin-Weg wieder mit dem Engadiner Höhenweg, der nun sehr bequem über den Weiler Pila nach Maloja hinunter führt. Man landet etwas hinter dem Hotel Longhin an der Hauptstrasse (das leider nicht als Kiosk funktioniert, wäre toll an dieser Lage!) und folgt dieser bis zur Busstation Maloja Posta. Das Glacé auf die Hand kann man sich schnell ein paar Meter weiter am charmanten Kiosk Pöstli kaufen.

 

Das Restaurant Murtaröl in Plaun da Lej: weltberühmte Fischküche
Das Restaurant Murtaröl in Plaun da Lej: weltberühmte Fischküche
Der Weiler Grevasalvas, Foto: C.Peitz
Der Weiler Grevasalvas, Foto: C.Peitz
Silser See, unten Grevasalvas, oben Piz Corvatsch und Piz Glüschaint
Silser See, unten Grevasalvas, oben Piz Corvatsch und Piz Glüschaint
Blick zurück in das Hochtal von Plaun Grand
Blick zurück in das Hochtal von Plaun Grand
Schotterfeld auf der Passage zum Lunghinsee
Schotterfeld auf der Passage zum Lunghinsee
Wegweiser auf dem Lunghinpass
Wegweiser auf dem Lunghinpass
Der junge Inn stürzt sich den Berg hinab nach Maloja (Foto: C. Peitz)
Der junge Inn stürzt sich den Berg hinab nach Maloja (Foto: C. Peitz)
Blick auf Pila: Hier wird es auf dem Engadiner Höhenweg idyllisch
Blick auf Pila: Hier wird es auf dem Engadiner Höhenweg idyllisch