• Strecke: von Maloja (1809, Schweiz) nach Chiavenna (333, Italien), durch fast alle Dörfer des Bergells diesseits und jenseits der Grenze
  • Charakter: Natur mit Kultur; sehenswerte Architektur, Museen & Einkehrmöglichkditen auf bequemen Wegen (T1)
  • Länge: insgesamt 34 km, gut lassen sich Etappen verschieden zusammenstellen oder einzelne Strecken mit dem Postbus fahren
  • Höhendifferenz: insgesamt 581↑, 2074↓ (oder umgekehrt), siehe auch einzelne Etappen

Die Via Bregaglia führt als Talweg durch das Bergell, vom alpinen Maloja auf 1800 Meter bis zum mediteranen Chiavenna (333m). Es ist faszinierend zu beobachten, wie sich Klima, Gerüche und Pflanzen unterwegs ändern. Etwa auf halber Strecke, bei Promontogno, liegt ein Hügel quer im Tal, den die Einheimischen «Porta» nennen, die Pforte. Oberhalb, «sopraporta», stehen Fichten, Lärchen & Birken, es geht rauher zu und manchmal liegt im März noch Schnee; unterhalb, «sottoporta», herrscht ein mildes Klima, hier stehen die ersten Palmen. Auf der Via Bregaglia kann man sich immer aufs Neue aussuchen, welche Richtung man einschlagen und welchen Abschnitt man gehen möchte.
Die Via Bregaglia besucht die kleinen Dörfer: die Wege zwischen ihnen sind teils alte Fahrstrassen, teils hübsche und bequeme Wanderwege. Unterwegs laden Museen zum Besuch ein (insbesondere in Stampa, aber auch in Vicosoprano) und es gibt zahlreiche Einkehrmöglichkeiten (Achtung: in der Zwischen- oder Nebensaison sind einzelne Restaurants und Hotels geschlossen, auch die Läden haben nicht immer offen, vgl. meine Konsum-Seiten). Praktisch ist auch, dass das Postauto Linie 4 durch das Tal fährt, man kann die Wanderung also jederzeit abbrechen oder verkürzen.
Die Via Bregaglia wurde von Ursula Bauer und Jürg Frischknecht «erfunden»: Sie schlugen 2003 in Grenzland Bergell erstmals eine Route vor, seit 2005 ist sie auch offiziell ausgeschildert. Diese Beschreibung folgt der Via Bregaglia von oben (Maloja) nach unten (Chiavenna), man kann sie genausogut in umgekehrter Richtung gehen.

 

Etappe 1, von Maloja (1807) nach Casaccia (1462),

345↓, 4 km, 1h 05 min, (aufwärts 1h 35 min)

 

Die erste Etappe ist gleich die heftigste: über 300 Höhenmeter abwärts sind angesagt, wo der Weg sich auf recht kurzer Strecke von der Passhöhe hinunter ins Tal stürzt. Aber keine Sorge, die gut angelegten Waldwege sind nie ausgesetzt und man braucht nicht schwindelfrei zu sein. In Maloja kann man zunächst den Wegweisern zum Belvedere-Turm folgen, einem Relikt der Bautätigkeit des Grafen Renesse, der sich hier um 1900 sein Domizil im mittelalterlichen Burgenstil anlegte (vgl. die Ortsbeschreibung Maloja). Wie das ganze Gelände gehört er heute der Umweltschutz-Organisation Pro Natura, die im Gebäude Ausstellungen anbietet und auch im Gelände rund um den Turm Spazierwege zu den Gletschertöpfen angelegt hat.

Die Aussicht ist spektakulär, denn der Turm liegt auf einer Moräne, die dicht von Arven bewachsen ist, bevor sich der Pass ins Bergell hinunter stürzt. Auf der Südseite des Turms führen Serpentinen zurück auf den Hauptweg der Via Bregaglia, der sich nun durch den teils dichten Wald schlängelt. Vorbei am Pila-Bach erreicht man die Ebene von Cavril. Ab hier geht der Weg leider etwas nahe an der Strasse – bis etwa zur Ruine der Kirche San Gaudenzio, die man betreten kann; sie ist stabilisiert und renoviert. Nun sind wir schon auf den Wiesen von Casaccia und steigen mit Blick auf die interessanten Wanderwege hinauf ins Val Maroz hinunter ins Dorf.

Ein Tipp noch: Die Wanderung sollte man nie an verkehrsintensiven Tagen machen – so z.B. an sonnigen Wochenenden. Sie liegt zu dicht an der Strasse, stetig hört man das Jaulen der Motoräder, die den Pass hinauf und hinunter gejagt werden.

  • Busstationen: Maloja Posta, Casaccia Cavril, Casaccia Villaggio.
  • Verpflegung: div. Restaurants & Kioske & ein Laden in Maloja, Hotel Stampa in Casaccia.
Nochmals Fake-Architektur: der Torre Belvedere in Maloja
Nochmals Fake-Architektur: der Torre Belvedere in Maloja
Blick vom Belvedere-Turm hinab ins Bergell
Blick vom Belvedere-Turm hinab ins Bergell
In sanften Serpentinen geht des den Malojapass hinunter
In sanften Serpentinen geht des den Malojapass hinunter
Gräbt weiter am Maloja-Hang: der Bach von Pila
Gräbt weiter am Maloja-Hang: der Bach von Pila
Ruine von San Gaudenzio, Innnenansicht
Ruine von San Gaudenzio, Innnenansicht

Etappe 2, von Casaccia (1462) nach Vicosoprano (1067),

↓395 ↑ 20, 7 km, 1h 25min (aufwärts 2h 05min)

 

Die Etappe 2 verspricht zwar mehr Höhenmeter als die erste, aber weil sich die Wanderung länger streckt, geht es eher gemütlich zu. In Casaccia hat man die Wahl: Entweder man hält sich östlich der Strasse und schaut bei den Hütten von Löbbia vorbei (allerdings geht man dann eine Weile parallel zum Verkehr), oder man bleibt westlich und marschiert über Wiesen auf den Lauf von Orlegna & Maira zu, die sich unterhalb von Casaccia vereinen. Die Bilder rechts stammen von diesem westlichen Weg, der auch gleich an einem dunkeltürkisen Stausee vorbeiführt (leider ist das Baden verboten!) und zu einer hübschen Alp unterhalb der Albinga-Staumauer.

Nochmals kann man sich zwischen den Talseiten auf Höhe der Bushaltestelle «Nasciarina» entscheiden: östlich der Maira quert man öfters die Hauptstrasse, kommt dafür aber am Hotel Pranzaira und der EWZ-Gondel hoch zum Albinga-Stausee vorbei (zur Info auf die EWZ-Seite, dort nach unten scrollen bis «Erlebnis Staumauer Albinga»). Vicosoprano erreicht man so von Osten.

Hält man sich eher westlich, steigt man bis Roticcio ab, einem kleinen Weiler, der meist wunderschön in der Sonne liegt. Man folgt den Wegweisern, will aber NICHT auf dem Panoramico weiter, sondern biegt etwa auf Höhe des Dorfbrunnens auf den Pfad links hinunter nach Vicosoprano. Es geht jetzt recht steil abwärts, vorbei an dem alten Pungel-Hof (samt Hofladen, hier gibt es sehr feinen Biokäse) und dem lokalen Campingplatz. Wer will, verlässt die asphaltierte Strasse nach rechts zum kleinen Badesee und gönnt sich einen Sprung ins Nass. Nach Vicosoprano gelangt man nun von Norden.

Hier laden zwei Restaurants und zahlreiche Läden zum Verweilen ein, ein schöner Abschluss für eine Wanderung. Sehenswert auch das Pretorio, der alte Gerichtssitz des Bergells inklusive schauriger Folterkammer.

Beginn des Sentiero Panoramico: Casaccia, oben die Albinga-Staumauer
Beginn des Sentiero Panoramico: Casaccia, oben die Albinga-Staumauer
Der Stausee bei Löbbia, hier führt der Weg durch den Wald
Der Stausee bei Löbbia, hier führt der Weg durch den Wald
Kleine Alp kurz vor Nasciarina
Kleine Alp kurz vor Nasciarina
Der Weiler Roticcio
Der Weiler Roticcio
Vicosoprano, der alte Handelsplatz unter dem Piz Duan
Vicosoprano, der alte Handelsplatz unter dem Piz Duan

Etappe 3, von Vicosoprano (1067) nach Stampa (994),

↓ 73, je nach Strecke 30-50 min

 

Diese Etappe ist eher ein Spaziergang. Je nach Route (wiederum: rechts oder links der Maira) ist man eine halbe oder eine knappe Stunde unterwegs. Hier sind wir im kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum des Bergells: In Vicosoprano laden zahlreiche Restaurants und Geschäfte zur Verpflegung ein (schaut doch auch die Konsum-Seite an), in Stampa hingegen hauptsächlich die Museen (die wiederum beschreibe ich in den Kultur-Seiten).

Wir verlassen also Vicosoprano entweder leicht nördlich über die Brücke und wenden uns dort gleich talabwärts. Der Weg führt an der Schule vorbei, schlängelt sich durch die Auenlandschaft und erreicht schnell die Brücke hinüber nach Borgonovo. Der andere Pfad von Vicosoprano erreicht das Dorf direkter, denn man geht bis zur Posthaltestelle Vicosoprano Helvetia, sucht dort hinter der ehemaligen Post den Pfad, der durch den Wald führt und gelangt südlich der Maira direkt nach Borgonovo.

Hier sollte man sich die Giacometti-Gräber auf dem Friedhof anschauen, die ganze Künstlerfamilie ist hier begraben. Auch die Kirche San Giorgio ist sehenswert, das schöne Glasfenster stammt von Augusto Giacometti. Dann begibt man sich zurück über die Brücke und spaziert bis Stampa (und keineswegs die Strasse, wie noch bei Bauer/Frischnecht angegeben). Um das Dorf anzuschauen – das leider keine Umgehungsstrasse bekommen hat – quert man wieder die Brücke. Biegt man nach rechts, erreicht man in wenigen Metern das Museum Chiäsa Granda, gleich daneben das Hotel Restaurant Val d'Arca. Man kann also den Kulturgenuss unmittelbar mit ganz leiblichen Freuden verbinden.

  • Busstationen: Vicosoprano Helvetia, Borgonovo Villaggio, Stampa Ufficio Touristico, Stampa Val d'Arca
  • Verpflegung: Hotel Restaurant Val d'Arca
Vor Borgonovo, Februar 2017: Auch auf Schnee begehbar.
Vor Borgonovo, Februar 2017: Auch auf Schnee begehbar.
Blick von der Brücke nach Borgonovo
Blick von der Brücke nach Borgonovo
Das Grab von Alberto  Giacometti auf dem Friedhof Borgonovo
Das Grab von Alberto Giacometti auf dem Friedhof Borgonovo
Das Strassendorf Stampa, vorne die Chiäsa Granda, das Talmuseum
Das Strassendorf Stampa, vorne die Chiäsa Granda, das Talmuseum

Etappe 4, von Stampa (994) via Coltura und Caccior (930) nach Promontogno/Bondo (825),

↓169, 1h 10min (Variante: hinauf nach Soglio (1097), ↑167 ↓ 69, 1h 30 min)

 

In dieser Etappe müssen wir uns entscheiden: hoch nach Soglio, ins bekannteste Dorf des Bergells? oder doch mal Promotogno und Bondo kennenlernen? Von beiden Orten aus führen Wege weiter nach Castasegna und zur italienischen Grenze. Soglio verspricht die feinere Aussicht, Bondo das schönste Gemeindeamt der Schweiz. Vielleicht richtet man sich nach dem Wetter: Ist es kühl, ist der recht sonnig gelegene Aufstieg nach Soglio sehr empfehlenswert; bei Hitze (aber auch bei Regen) bleibt man lieber im Tal. Hier zeigen die Bilder den Weg nach Promontogno, die Strecke nach Soglio hinauf habe ich als Rundweg Castasegna – Soglio – Bondo – Castasegna beschrieben.

Zunächst haben wir noch ein Stück gemeinsame Wegstrecke: von Stampa aus geht es über die Fahrstrasse in den Ortsteil Coltura, dessen Palazzo Castelmur eines der Wahrzeichen des Bergells ist. Hier lohnt sich ein Blick in Gebäude, Ausstellung und Park. Weiter geht es, vorbei an der Kirche San Pietro (hier ist ein echter Augusto Giacometti in der Apsis des Chors zu sehen!) Richtung Caccior, einem kleinen Weiler. Danach trennen sich die Wege.

NACH SOGLIO (gelegentlich Schwierigkeit T2) gehen wir kurz nach Caccior gradeaus auf dem Wiesenpfad. Er biegt schnell in einen Tobel ein und wird zum Waldweg. Bald darauf sind die Höhenmeter auf so grossen wie grossartigen Steinstufen (welche Mühe, sie zu bauen!) zu gewinnen. Die Passage ist zeitweilig ausgesetzt, aber breit und immer gut gesichert. Wenn die Stufen sich verlieren, haben wir es fast geschafft und folgen einem Wiesenpfad. Hier liegen mit die schönsten Bänke zum Ruhen und Aussicht geniessen, die Soglio bietet. Schnell ist man jetzt im Ort.

NACH PROMONTOGNO/BONDO folgt man ab Caccior dem Verlauf der Schotterstrasse, es geht zügig abwärts. Wieder überquert eine schöne Steinbrücke die Maira, nun kann man sich entweder nach links wenden und über die Porta wandern (wo die Kirche Nossa Donna, ein alter Wehrturm und eine Villa liegen), oder man folgt rechts der Strasse durch einen Tunnel nach Promontogno. Seit neustem verbindet eine wunderschöne Hängebrücke Promontogno wieder mit Bondo, so dass man einfach den Schildern der Via Bregaglia folgen kann und an den Grotti von Bondo vorbei auf die Brücke zuläuft.

  • Bushaltestellen: Stampa Palü, Promotogno, Promontogno Punt Spizarun, Soglio Villaggio.
  • Verpflegung: In Stampa Coltura das Arte Bistro La Stala, in Soglio das Hotel Palazzo Salis, die Stüa Granda sowie das Hotel La Soglina. Zudem gibt es drei kleine Läden. In Promontogno/Bondo: das Hotel Bregaglia sowie die Osteria Salis. Gelegentlich hat auch ein Crotto in Bondo mit Bocciabahn auf. Zudem finden sich in Promontogno und in Bondo kleine Lädeli (Scartazzini & Salis).
Stilmix in Stampa/Coltura: im Hintergrund die Ostseite des Palazzo Castelmur
Stilmix in Stampa/Coltura: im Hintergrund die Ostseite des Palazzo Castelmur
Bergeller Zuckerbäckerarchitektur mit Stil: der Palazzo Castelmur
Bergeller Zuckerbäckerarchitektur mit Stil: der Palazzo Castelmur
Augusto Giacomettis «Am Morgen der Auferstehung», Kirche San Pietro in Stampa Coltura
Augusto Giacomettis «Am Morgen der Auferstehung», Kirche San Pietro in Stampa Coltura
Blick auf die Porta von oben: Wehrturm, Kirche Nossa Donna & Villa Castelmur
Blick auf die Porta von oben: Wehrturm, Kirche Nossa Donna & Villa Castelmur
Bondo im Bergell: Grotti Richtung Promontogno <3
Bondo im Bergell: Grotti Richtung Promontogno <3
Zentrale Piazza in Bondo mit Negozio Osteria Salis
Zentrale Piazza in Bondo mit Negozio Osteria Salis

Etappe 5, von Promontogno/Bondo (825) nach Castasegna (690)

↓135, 50 min, aufwärts 1h 05,

Variante von Soglio (1097) nach Castasegna (690),

↓307, 60 min, aufwärts 1h 20 min

 

VON SOGLIO nach Castasegna zu spazieren (oder umgekehrt) ist ein vielbegangener Klassiker. Die Strecke führt fast durchgängig durch Kastanienhaine, im unteren Teil ist sogar ein Kastanienlehrpfad ausgeschildert. Anstrengend ist nur das Gefälle bzw. der Anstieg von 400 Höhenmetern. Es ist aber kein schlechtes Training für kommende Touren!

Soglio verlässt man zunächst auf der Fahrstrasse hinunter nach Promontogno, bald aber zweigt der Wanderweg links ab. Man läuft über Wiesen, kreuzt ab und zu wieder die Strasse, bis man nach Plaz (einer Ansammlung von Kastanienhäusern) gelangt. Hier biegt der immer noch asphaltierte Weg hinein in einen Tobel, den ein Wasserfall krönt. Wir dürfen hinter diesem durch einen Tunnel laufen und bald erreichen wir die Kastanienselven von Castasegna. Hier kreuzen sich mehrere breite Wege, die alle hinunter ins Dorf führen. Ein Weg endet direkt an der Villa Garbald, ein anderer führt von oben ins Dorf.

Weit weniger Höhenunterschied hat der Weg zwischen BONDO und Castasegna. Vom hübschen Dorfplatz, wo die Osteria Salis liegt, geht man Richtung Kirche San Martino, diese Sehenswürdigkeit mit den wunderschönen Fresken kann man auf dieser Wanderung noch «mitnehmen». Am Ortsausgang sieht man nun schon den bequemen, schattigen Waldweg nach Castasegna, der neu an den Deponien vorbeiführt, wo man das Geröll vom Bergsturz lagert. Ebenfalls nicht uninteressant!

Dem breiten Wirtschaftsweg ist einfach zu folgen. Für die kurze Variante biegt man nach etwa 25 min rechts auf einen Wiesenweg ab; für die längere bleibt man auf dem breiten Schotterweg, hat aber noch einige Höhenmeter zu bewältigen. Kurz vor Castasegna, noch auf der Südseite der Maira, vereinen sich beide Wege wieder. Man geht über eine Steinbrücke und kommt von unten, wo Castasegnas grosse Gärten liegen, ins Dorf.

  • Bushaltestellen: Soglio Villaggio, Soglio Plaz; Promontogno Posta, Promontogno Punt Spizarun, Castasegna Sura, Castasegna Vecchia Dogana.
  • Verpflegung in Castasegna: Pasticceria Caffè Salis, das Hotel Bar Post, ein Lebensmittelladen sowie über der Grenze ein Bar/Tabacci und eine Pizzeria, in der es auch am Abend warme Speisen gibt.
Zwischen Soglio und Castasegna stürzt sich die Caroggia ins Tal
Zwischen Soglio und Castasegna stürzt sich die Caroggia ins Tal
Auf dem Kastanien-Lehrpfad bei Castasegna
Auf dem Kastanien-Lehrpfad bei Castasegna
Castasegna Bergell
Castasegna, das südlichste Dorf im Bergell

Etappe 6, von Castasegna (690) über Villa di Chiavenna und Piuro nach Chiavenna (333),

↓357, ca. 14 km, 3 h

 

Das ist im Vergleich zu den anderen eine grosse Etappe. Auch sie lässt sich jederzeit abkürzen oder beenden. Sie wird hier aber im Stück beschrieben.

Jetzt geht es über die Grenze! Und zwar weitgehend kontrollfrei (aber unter Videoüberwachung) über die renovierte, für den Verkehr gesperrte Loverobrücke. Jetzt sind wir in dem Teil von Villa di Chiavenna, den die Italiener einfach Dogana, also Grenze nennen. Hier gibt es ein Café und eine Pizzeria für Hungrige, die sich für die lange Etappe noch stärken müssen.

Wer loslaufen will, wählt die kleine Treppe gegenüber der Pizzeria, läuft durch eine Unterführung und findet sich auf dem Uferweg an der Maira. Er ist asphaltiert (wie grosse Stücke des Wegs nach Chiavenna), das hat damit zu tun, dass in Italien das Velofahren begeisterter betrieben wird als das Wandern und die Hauptstrasse doch sehr verkehrsgeplagt ist.

An der Brücke vor dem Stausee empfiehlt es sich, die Beschilderung zu ignorieren, nach links über die Brücke und durch den kleinen Weiler San Barnaba zu laufen (ansonsten geht man weite Strecken der Hauptstrasse entlang). Unterhalb des Stausees wird man nochmals vor die Wahl gestellt: Man kann links der Maira über Giavera weiterlaufen, verpasst dann allerdings die Altstadt von Villa di Chiavenna, die Teils abenteuerlich an den Berg hin gebaut ist (macht nix, man kann sie sich für die Wanderung nach Savogno aufheben).

Nach Giavera allerdings sollte man nicht den asphaltierten Weg gleich hinter der Brücke einschlagen, sondern noch weiter den Berg hinauflaufen, die Hauptstrasse queren. Denn das hier beginnende Strässlein, das an schönen alten Hütten vorbeiführt, kann man bald für einen sehr angenehmen Waldweg verlassen, der nach Santa Croce führt.

Dort quert man nochmals die Maira (insgesamt sind es 5 Querungen!), läuft zum Weiler Aurogo, wo die älteste Kirche des Bergells steht, San Martino Aurogo (nicht zu verwechseln mit San Martino in Bondo). Auch hier gibt es alte Fresken zu bewundern, bevor es in die Ebene hinunter geht, die heute über der ehemaligen Stadt Piuro liegt – sie wurde 1618 durch einen massiven Bergsturz verschüttet. Rechts des Wegs Richtung Borgonuovo (wiederum nicht zu verwechseln mit dem Schweizer Borgonovo bei Stampa) kann man Ausgrabungsstätten anschauen.

Nochmals gilt es eine Wegentscheidung zu fällen: Entweder geht man auf der Ebene von Aurogo nun schlicht nach Westen auf dem schon erwähnten Asphaltweg. Oder man quert nochmals die Maira und schaut sich sowohl Borgonovo wie auch Prosto di Piuro an (Sehenswürdigkeiten: der Palazzo Vertemate Fancchi und natürlich die Wasserfälle von Aquafraggia). Beide Wege vereinen sich in Piuro vor der Brücke, die zur eindrucksvollen Barockkirche Santa Maria dell'Assunta führt, deren Innenleben nach den kargen reformierten Kirchen des Schweizer Bergells ein wahres Spektakel bietet (eine tolle Beschreibung gibt es auf den Seiten der Associazione italiana di campanologia). Der Ort ist auch sonst einen Ausflug wert: Links neben der Kirche gibt es die originalen Biscotti di Prosto zu kaufen, noch ein paar Meter flussaufwärts liegt eine Specksteinwerkstatt.

Kurz hinter der Kirche, nun wieder flussabwärts, liegt das Grotto Belvedere, wo man sich nochmals für den Weg stärken kann. Von hier führt ein breiter Weg – auf dem nun zahlreiche Menschen unterwegs sind: Schulklassen, Mütter mit Kinderwagen, einzelne Velofahrer & Joggerinnen – nun in die erste Stadt im Bergell: Chiavenna. Ihr nähert man sich über einen Schleichweg, der an alten Grotti und einer stillgelegten Fabrik vorbeiführt. Bald steht erreicht man die Gassen, die vor Läden, Cafés und Restaurants überquellen.

  • Bushaltestellen: Villa di Chiavenna (Centro, Ponteggia, Giavera), St. Croce, Borgonovo, Cascate Acquafraggia, Prosto di Piuro, Chiavenna (Campedello, Quadrio, Ospedale, Consorzo Agrario, Stazione). Hier fahren der Schweizer Postbus und eine italienische Linie.
  • Verpflegung: zahlreiche Lebensmittelgeschäfte, Bäckereien, Pizzerien und Grotti auf dem Weg und in Chiavenna.

 

Perfekte Italianità: die Piazza Pestalozzi in Chiavenna
Perfekte Italianità: die Piazza Pestalozzi in Chiavenna
Castasegna: Auf der neugestalteten alten Lovero-Brücke
Castasegna: Auf der neugestalteten alten Lovero-Brücke
An der Maira zwischen Castasegna und Villa di Chiavenna
An der Maira zwischen Castasegna und Villa di Chiavenna
Kastanienpfade bei Villa di Chiavenna
Kastanienpfade bei Villa di Chiavenna
Über die Maira bei Santa Croce
Über die Maira bei Santa Croce
Alte Wege hinter San Martino hin zur Ebene von Aurogo
Alte Wege hinter San Martino hin zur Ebene von Aurogo
Intakte Siedlung rund um die Barockkirche Santa Maria dell'Assunta in Prosto di Piuro
Intakte Siedlung rund um die Barockkirche Santa Maria dell'Assunta in Prosto di Piuro
Alte Crotti und Fabrikanlagen kurz vor Chiavenna
Alte Crotti und Fabrikanlagen kurz vor Chiavenna