Das Bergell ist nicht nur im Sommer attraktiv – auch der Winter hat seine Reize. Durch die grossen Höhenunterschiede im Tal eröffnen sich sogar zwei ganz verschiedene Perspektiven: Da ist einerseits Maloja, ein Wintersportort, der ans Engadin anschliesst. Nach Süden öffnet sich das Tor ins hochalpine Fornotal, nach Norden die Passübergänge zum Lunghin und zum Septimer. Andererseits schlängelt sich das tiefer gelegene Bergell hinunter nach Chiavenna, wo Schnee nur selten liegen bleibt.

Verschneites altes Engadinerhaus in Montaccio bei Stampa
Verschneites altes Engadinerhaus in Montaccio bei Stampa

Rund um Maloja

Das auf 1800 Metern gelegene Maloja ist ein Schneesport-Zentrum: Von hier aus kann man in eines der grossartigsten Loipennetze der Welt starten, quer über die zugefrorenen Seen nach Sils, Silvaplana, St. Moritz oder Pontresina (und noch weiter!). Das ist nicht nur etwas für die Profis, die jedes Jahr zahlreich kommen, sondern auch für Anfänger und langsame Läufer. Denn die gerade Fläche macht das Gleiten einfach und die Aussicht ist immer spektakulär. Genauso ist für Wanderer diese Seeüberquerung im Winter etwas ganz besonderes – nur selten hat man ein solches Gefühl der Weite, während man sehr bequem spaziert. Gleichzeitig bieten Maloja und das kleine Isola, aber auch Plaun da Lej und Sils Maria sehr gute Einkehrmöglichkeiten; ab Mitte Dezember sind fast alle Hotels, Restaurants & Cafés geöffnet und eine erholsame Pause ist sicher.

Blick von der Alp Cavloc Richtung Cavlocsee & Lunghin
Blick von der Alp Cavloc Richtung Cavlocsee & Lunghin
Loipe & Wanderweg auf dem Silsersee
Loipe & Wanderweg auf dem Silsersee

Auch hinein ins Fornotal und zum Cavlocsee führen sowohl Winterwanderwege wie Loipen (letztere sind allerdings den Könnern vorbehalten, es gibt sehr steile Passagen). Sie entführen in eine sehr stille Welt, die Seele und Augen beruhigt. Weit hinten und um die Fornohütte tummeln sich im Winter die Tourengeher. Die Saison startet jeweils Ende Februar und reicht bis Mitte Mai!

Wer mehr Action sucht, begibt sich zum Aela-Skilift, wo man allerdings immer noch abseits des Trubels Ruhe Ski- und Snowboarden kann. Nicht weit entfernt ist auch ein hübscher kleiner Kinder-Trainingslift. Über all diese Angebote rund um Maloja & Isola erkundigt man sich am besten auf den Seiten des Oberengadiner Tourismusverbands, der auch gelungene interaktive Karten zur Verfügung stellt (hier für Langläufer, hier für Winterwanderer und hier für Ski & Snowboard).

Verträumte Wege hinauf zum Cavlocsee
Verträumte Wege hinauf zum Cavlocsee
Auch das Fextal bei Sils Maria ist einen Ausflug wert.
Auch das Fextal bei Sils Maria ist einen Ausflug wert.

Im bergeller Tal

Ganz anders unterhalb des Malojapasses im bergeller Tal: Durch das stetige Gefälle wird es immer wärmer, je weiter man nach Südwesten vorstösst, um so seltener bleibt der Schnee liegen. Kalt kann es aber trotzdem werden – das liegt an dem Schattenwurf der Gipfel im Süden, die manche Dörfer im Dezember und Januar ohne Sonne lässt, so zum Beispiel Vicosoprano, Stampa, Bondo oder Castasegna. Deshalb sind auch manche Hotels nun geschlossen, das tiefer gelegene Bergell hält Winterschlaf. Aber auch das ist nicht ohne Reiz – weil man auf vielen Strecken doch noch wandern kann. So zum Beispiel auf der Via Bregaglia, die zumeist über breite Wirtschaftswege und in die verträumten Dörfer führt. Sobald man am Hang etwas höher geht, wird man sogar von der Sonne verwöhnt.

Auch im Winter begehbar: die Via Bregalia
Blick von der Via Bregaglia auf die Kirche San Giorgio Borgonovo
Blick von der Via Bregaglia auf die Kirche San Giorgio Borgonovo

Gerne mag ich den oberhalb von Castasegna gelegenen Kastanienwald Brentan. Weil die Bäume nicht belaubt sind, kommt fast jeder Sonnenstrahl auch im Winter auf den Wiesen und Wegen an. Wer möchte, kann auch nach Soglio hochlaufen (wie in meiner Rundtour beschrieben), sollte sich aber auf dem Hauptweg halten. Soglio liegt so hoch, dass es vom Winterschatten nicht betroffen ist und hier haben auch manche Hotels geöffnet, so zum Beispiel das Stüa Granda.

Sonnenverwöhnt: Soglio im Winter
Sonnenverwöhnt: Soglio im Winter
Faszinierender Winterschatten in Castasegna
Faszinierender Winterschatten in Castasegna

Wer es noch wärmer mag, kann hinunter nach Chiavenna fahren oder laufen. Hier sind fast alle Wege stets passierbar. Und im Städtchen angekommen kann man fast das ganze Jahr draussen auf der Piazza den Cappuccino trinken. Oder über den Markt schlendern. Oder zu einem Spaziergang an den südlich gelegenen Seen aufbrechen...